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Hans G. Fischer                         

Das Internet als Hilfe für den Englisch Unterricht

Englisch ist die Sprache des World Wide Webs. Der Englischunterricht profitiert damit wie kein anderes Fach von den neuen Informationstechnologien. Beispiele aus dem Unterrichtsalltag illustrieren die vielfältigen Möglichkeiten.

Obwohl Englisch nicht wie oft angenommen die alleinige Internetsprache ist, dominieren die englischsprachigen Dokumente weiterhin. Wenn irgendein Fachlehrer den Klassen Dokumente aus dem Internet ausdruckt oder sich die Schüler selbst Dokumente holen, sind die Chancen gross, dass diese Dokumente auf Englisch sind. Vom darin enthaltenen Wissen profitiert so nicht nur das betreffende Fach, sondern auch Englisch. Die Schüler erhalten die Möglichkeit, ihr Englisch Wissen zu verbessern, ohne gezielt Englisch "zu lernen". Zudem ist das Internet eine ergiebige Quelle für Informationen für das Fach Englisch in jeglicher Art. Grundinformationen findet man ja auch in Büchern; aber wer hat schon immer das richtige Buch zur richtigen Zeit zur Hand. Eine Suchmaschine im Internet oder ein Schulserver lösen das Problem auf elegante Art.

Wer den Unterricht mit Tagesinformationen anreichern will, findet im Internet jegliche Art von Unterstützung. Zeitungen und Zeitschriften aus allen Ländern sind abrufbar und meist auch gratis. Die Artikel können samt den Bildern direkt ausgedruckt und mit den Klassen behandelt oder auch vorgängig vom Lehrer editiert werden. Wohl sind wir in der Schweiz in der glücklichen Lage, Zeitungen aus den verschiedensten Ländern kaufen zu können. Time Magazine, das im Internet die US-, die internationale Ausgabe und eine nur im Internet erhältliche Tagesausgabe publiziert, haben verschiedene Schulen abonniert. Die Time Magazine Ausgaben im Internet haben jedoch den grossen Vorteil, dass sie mit einer Suchmaschine versehen sind. Artikel zu bestimmten Themen können sowohl aus der aktuellen, als auch aus älteren Ausgaben auf einfachste Art gefunden und auf den Bildschirm abgerufen werden. Im Internet kann man zudem eine Fülle zusätzlicher Zeitungen finden. So können etwa lokale Zeitungen eine in der Literatur angesprochene Gegend den Klassen näher bringen. Ist Iowa wirklich so provinziell, wie es Peter Hedges in What’s Eating Gilbert Grape darstellt? Die "Cedar Rapids Gazette" oder der "Des Moines Registrar" könnten diese Frage klären helfen und eventuell auch den nicht sehr literarisch interessierten Schülern den Unterricht schmackhafter machen. Bei vielen Zeitung im Internet kann man zusätzlich ältere Ausgaben abrufen.

Radioprogramme können den Unterricht sehr auflockern. Eine grosse Zahl von Radiostationen aus englischsprachigen Ländern sind im Internet mit Audioprogrammen und zum Teil auch schriftlichen Zusammenfassungen präsent. Ein hervorragendes Programm ist zum Beispiel "All Things Considered" vom amerikanischen National Public Radio, das Hintergrundinformation zum Tagesgeschehen liefert, wobei sehr viele kulturelle Beiträge vorhanden sind. Zu den verschiedensten Themen präsentiert NPR nicht nur die eigenen Programme, sondern hält zusätzlich weitere Information zur Verfügung. Wer zum Beispiel den ‘Wilden Westen‘ besprechen möchte, wird bei NPR bestens mit Information versorgt. CNN Videosequenzen ab dem Fernsehprogramm bereichern schon seit langem in vielen Schulen den Unterricht. Im Internet stehen Transcripts zu einzelnen Sendungen einige Zeit nach der Ausstrahlung zur Verfügung. Sie können ausgedruckt für die Schüler eine hilfreiche Unterstützung beim Betrachten des Videos sein oder auch ohne Video die Information den Klassen übermitteln. Zu dem täglich im Fernsehen um 10:30 CET angesetzten Schulprogramm ‘CNN Newshour‘ liefert CNN auch Sprach- und Grammatikübungen. Grammatik mit Bezug zum aktuellen Weltgeschehen! Mit hervorragender Information zu speziellen Topics ist auch PBS, das amerikanische Public Broadcasting System, auf dem Internet präsent. Die Print- und Audioinformationen können im Unterricht bestens benützt werden. Aber auch andere Fernsehsender buhlen um die Gunst der Surfer.

Das Internet ist aber nicht nur ein Einweg-Instrumentarium. Es lehnt sich nicht nur an die Bibliothek an, in der Wissen gespeichert ist. Das Internet steht auch für die Idee eines Diskussionsraumes. Informationsaustausch zwischen den einzelnen Lehrkräften kann weltweit über die verschiedensten Newsgroups für EFL Lehrer stattfinden. Von pädagogischen bis grammatikalischen Problemen werden in diesen groups die verschiedensten Probleme auf ansprechendem Niveau behandelt. Für die Schweizer Lehrer steht zudem der Schulserver EducETH (http://educeth.ethz.ch) zur Verfügung. Für Lehrer, die ein neues Lehrbuch im Unterricht verwenden möchten, gibt es unter ‘EducETH - The English Page‘ eine spezielle Rubrik. Wer Unterrichtserfahrung mit einem Lehrbuch gemacht hat, kann diese den andern Lehrern in dieser Rubrik zur Verfügung stellen und ihnen dadurch die Auswahl erleichtern. Wer wünscht, kann sich via e-mail Adresse auch für weitere Auskünfte zur Verfügung stellen.

Dass für den Literaturuntericht zu den einzelnen Autoren Informationen zur Verfügung stehen, ist weiter nicht mehr verwunderlich. Eine grosse Zahl literarischer Werke, deren Copyright abgelaufen ist, sind auch ganz im Internet gespeichert und können ausgedruckt werden. Wir werden kaum einen ganzen Roman ausdrucken, aber bei der Suche nach einem Gedicht oder einer Kurzgeschichte kann diese Art der Speicherung doch sehr hilfreich sein. Aber auch einzelne zeitgenössische Autoren stellen ihre Werke den Schulen im Internet kostenlos zur Verfügung. Als neue Literaturgattung hat auch cyberliterature ihren Platz. Wer zum Beispiel vergessen hat, in welchem Shakespeare Stück und wo „What‘s in a name, a rose by any other name would smell as sweet" steht, findet auf dem Internet eine Suchhilfe.

Für verschiedene Bücher sind auch weltweit Informationsaustauschmöglichkeiten vorhanden. Zu Arthur Miller‘s The Crucible unterhält Penguin Books eine www-page auf der die Schüler ihre Gedanken austauschen können. Für diverse Autoren, wie z.B. Nathaniel Hawthorne, stehen einzelne Personen zur Verfügung, die Fragen von Schülern via e-mail beantworten. The BookRead Project vermittelt weltweit Klassen, die zusammen via e-mail-Austausch das gleiche Buch lesen möchten. Wenn möglich wird auch Kontakt zum Autor vermittelt. Auf ‘EducETH - The English Page‘ findet man bei einzelnen Autoren auch zusätzlich Zeitungsartikel, zu denen man sonst keinen Zugang hätte. Wer hat schon The Boston Globe mit den diversen Artikeln über Toni Morrison abonniert? Ebenso sind Unterrichtshilfen zu einzelnen Büchern vorhanden. Diese Unterrichtshilfen können Gestaltung und zusätzliche Informationen beinhalten. In Planung steht eine Sammlung von Schülerarbeiten zu den einzelnen Büchern oder Autoren, die es den Lehrern ermöglichen soll, ihre Schülerarbeiten mit denen anderer Schulen zu vergleichen.

Aber auch die Schüler finden im Internet Stoff genug, ihr Englisch in der Freizeit anzuwenden. Verschiedene Zeitschriften vermitteln Informationen, andere regen ausschliesslich EFL Schüler zum Einsenden von Artikeln zu den verschiedensten Themen an, sogar Tests können absolviert werden. Ganz wichtig sind natürlich die Kontakte zu Gleichaltrigen in der ganzen Welt via e-mail. Die verschiedensten Stellen vermitteln key-friends und unterhalten spezielle Diskussionsgruppen für EFL Schüler. Da aber die meisten in der Schweiz ans Internet angeschlossenen Schulen sich mit einer e-mail Adresse begnügen müssen, ist diese Art des Kontaktes noch problematisch. Für Klassenkontakte eignet sich aber e-mail auch bei einem einfachsten Internet Anschluss hervorragend. Verschiedene Schulserver sind den Lehrern bei der Suche nach Kontakt-Klassen behilflich. Entweder findet man dort einen Lehrer, der gerade ein Projekt starten möchte, an dem man teilnehmen kann oder man schreibt selbst ein Projekt aus. Die Schüler schätzen den Kontakt zu Gleichaltrigen via e-mail sehr, bringt er ihnen doch lebendiges Englisch und Information, die nicht im Lehrbuch steht, ins Klassenzimmer.

In der jetzigen Phase werden wir vom Internet hauptsächlich Printinformationen holen, doch schon ein digitaler Telefonanschluss eignet sich für die Übertragung von Sprachinformation. In Zukunft werden die Verbindungen noch schneller werden, so dass auch die Benützung vom Videos problemlos möglich wird. Der erste Umgang mit neuen Medien ist für uns alle umständlich und zeitraubend. Die alten Methoden haben ja auch ans Ziel geführt. Aber schon nach kurzer Zeit des Übens werden auch diejenigen, die im Umgang mit dem Computer sonst Mühe haben, bemerken, wie einfach das Internet zu handhaben ist. Trotzdem ist es empfehlenswert, das Internet langsam in den Unterricht einzubauen.

Der Zugang zu sämtlichen oben angeführten Beispielen ist über ‘EducETH - The English Page‘ unter <http://educeth.ethz.ch/english> möglich. Das Inhaltsverzeichnis verweist auf das weitere Vorgehen und mit „Klick and Go" landet man schnell am richtigen Ziel.

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