Ausgewählte Materialien aus der Fortbildung " Dos and Dont's in Teaching about Native Americans"

Liste empfehlenswerter Internetlinks zum Thema Native Americans

Deutsch:

 

www.indianer.de Allgemeinwissen über Indianer

www.naaog.de Native American Association of Germany e.V.

www.aktionsgruppe.de Aktionsgruppe Indianer und Menschenrechte e.V.

www.indianernachrichten.de.vu ständig aktualisierte Seite

www.andreac.de Alles über die Dakota/Lakota/Nakota (Sioux)

www.nativechild.com/Indianer.html Erfahrungsbericht eines Diplompädagogen

 

Englisch:

 

www.nativeradio.com moderne indianische Musik online hören

www.airos.org moderne + traditionelle indianische Musik

www.native-american-online.org Powwowregeln, Rezepte, Gedichte u.v.m.

www.hanksville.org/NAresources riesige Linksammlung themat. geordnet

www.turtletrack.org Kinderseite für + über Native Americans

www.kidscare.org/kidscare/nativeamericans.html  interessante Anregungen

indiancountry.com Onlinezeitung

www.indianz.com täglich aktualisierte News

www.gatheringofnations.com die ultimative Powwowseite

www.the-office.com/bedtime-story/indians.htm  indianische Legenden

www.kstrom.net/isk/mainmenu.html  verschiedenste indianische Links

www.bluecorncomics.com/stbasics.htm die häufigsten Stereotypen über Indianer

www.dickshovel.com/AIMIntro.html Seite des indianischen Widerstands

www.ihs.gov/PublicInfo/Publications/Kids/  indian. Legenden, Wohnformen u.v.m.

 

An Indian Joke: What do you see?

Cut out the sentences and put them into correct order!

 

They eat a little something and then go into the tipi and fall asleep.

This wakes the white guy up, then he thinks for a moment and says, "Thousands of stars."

Well, the evening goes pretty good, and the white guy is not to much of a pain, so the older fellow invites him back to his camp. 

The Indian fellow says, "What does this mean to you?"

An older Indian fellow decides to go out on the town and have just a few drinks. 

While enjoying himself in that local tavern, he meets a young, new age guy who is seeking traditional wisdom.

The new age guy replies, "Well, I guess it means tomorrow will be another clear and beautiful day in the Creator's Universe."

Later that night the Indian fellow wakes up and his voice comes out of the darkness with, "Tell me, what do you see?"

The Indian fellow says, "It means to me, that someone has stolen my tipi."

 

Richtlinien beim Unterrichten über indianische Kulturen (aus: www.naaog.de)

  • Es ist angeraten, Informationen direkt aus den Vereinigten Staaten zu bekommen. Man sollte versuchen Kontakte (oder sogar Freundschaften) zu Native Americans herzustellen; entweder hierzulande, zu denen, die hier leben oder zu Besuch sind, via email oder während einer oder mehrerer Reisen zu Native Americans in den USA oder Kanada
  • Ein Wissen über die große Vielfalt indianischer Nationen (Stämme). Wo sie beheimatet sind (Vergangenheit und Gegenwart), die wichtigsten Unterschiede, z.B. Wohnbauten und Kleidung. Sehr wichtig ist einiges Wissen über die verschiedenen Gegenstände, die in den Klischeevorstellungen eine Rolle spielen, z.B. Totempfähle, Kanus etc., und über die Stämme zu denen diese Gegenstände gehören.
  • Kursleiter sollten über die heutige Situation der Native Americans sprechen können. Jedoch haben nicht alle Indianer Alkoholprobleme oder leben unter schlechten Wohnbedingungen. Beide Seiten sollten dargestellt werden, die positiven und die negativen.

Absolute "No, Nos" (Tabus) beim Unterrichten über indianische Kulturen:

1. und wichtigste Regel:

Keine Tanzvorführungen in indianischen Trachten (Outfits) durchgeführt von Nicht-Indianern ohne die Beteiligung indianischer Tänzer.

* keine einzige Form indianischer Zeremonien inklusive Schwitzhütten, Namensgebungen etc.

* kein Gebrauch religiöser Gegenstände, wie z.B. die Heilige Pfeife

* kein Nachgestalten religiöser Gegenstände z.B. Kachina-Puppen

* keine Details über indianische Zeremonien. Für den Fall, dass jemand von indianischen Freunden zu einer indianischen Zeremonie eingeladen worden ist, sollte derjenige/diejenige danach nicht hingehen und alle Details der Zeremonie ausplaudern. Dies könnte die Gefühle der indianischen Freunde verletzen. Vielleicht wäre es besser, nur ein wenig über die eigenen persönlichen Erfahrungen zu berichten.

* kein Vermischen der unterschiedlichen Religionen der indianischen Nationen mit anderen religiösen Vorstellungen oder Praktiken, z.B. Buddhismus, keltische oder germanische Traditionen.

* keine Medizinräder aus Steinen oder Kultgegenstände auf dem Boden auslegen, auch nicht um diese herum tanzen

* nicht den Glauben verbreiten, Native Americans seien die besten Ökologen auf dieser Welt und die Zuhörer auch nicht in diesem Glauben bestärken. Weil viele es nicht sind! Diese Klischeevorstellung beruht auf der Fehlinterpretation indianischer Zeremonien oder Aussagen (Sprichwörter, Gedichte u.a.) und der Tatsache, dass Native Americans darauf angewiesen waren, ihr Bestes zu geben, um im Einklang mit der Natur zu leben, weil sie sich sonst selbst die Grundlage für ihr Überleben entzogen hätten.

* nicht erlauben, dass sich Kinder oder Erwachsene als Indianer verkleiden. Keine nachgemachten Federhauben, Medizinbeutel, Stirnbänder, Gesichtsbemalung. Das Verbot sollte erklärt werden.

* Keine Nachbildungen von Totempfählen, außer es gibt einen indianischen Ratgeber, der zu einem dieser Stämme gehört.

 

Wie sieht die heutige Situation auf den meisten Indianerreservationen in den USA aus?

 

Obwohl die Vereinigten Staaten von Amerika zu den reichsten Industrieländern der Welt gehören, zählen die Wohngebiete der Indianer eher zu den „Dritte-Welt-Ländern“. Bei den letzten beiden Volkszählungen in den Jahren 1980 und 1990 war der Bezirk Shannon auf der Pine Ridge Reservation im Bundesstaat Süd-Dakota die ärmste Gemeinde auf dem Gebiet der USA. Bei etwa gleichen Lebenshaltungskosten wie in der BRD betrug das Pro-Kopf-Einkommen dort rund 5.200 DM pro Jahr, obwohl hierbei auch weiße Bewohner (z.B. Farmer), die auf der Reservation wohnen, mitgezählt worden sind. Rund 60% aller indigenen Bewohner auf Pine Ridge leben unterhalb der vom Staat festgesetzten offiziellen Armutsgrenze. Daß dies kein Einzelfall ist, zeigen auch die Zahlen aus Reservationen in anderen Landesteilen der Vereinigten Staaten: Auf der in New Mexico gelegenen Santo Domingo Pueblo Reservation leben zum Beispiel 75% aller Bewohner unterhalb dieser Armutsgrenze.

Ähnliche Statistiken ergeben sich bei den Arbeitslosenzahlen. Die Quote der ohne Beschäftigung lebenden arbeitsfähigen Indianer beträgt bis zu 80%, teilweise liegt die Zahl sogar noch höher (z.B. liegt sie auf der Rosebud Reservation bei 86%).

Auf der Pine Ridge Reservation hat in jedem dritten Haushalt keine der dort lebenden Personen eine Beschäftigung. Hierbei handelt es sich um Angaben des staatlichen Büros für Indianerangelegenheiten. Viele Vertreter der Stammesregierungen gehen davon aus, daß diese Zahlen noch zu niedrig angesetzt sind. Wirtschafts- und Industrieansiedlungen gibt es auf den

Indianergebieten so gut wie gar nicht, und wenn doch werden die Gewinne außerhalb der Reservation investiert. Vielfach siedeln sich jene Industrien dort an, die wegen ihrer Umweltbelastung oder sonstigen Gefahren für die Anwohner im übrigen Land keinen Standort gefunden haben So finden z.B. rund 80% der Aktivitäten der Nuklearindustrie auf oder am Rande der Reservationen statt. Die Einkünfte der Indianer stammen größtenteils aus Wohlfahrtsprogrammen der US-Regierung oder aus Tätigkeiten in der Verwaltung (Stammesrat, Büro für Indianerangelegenheiten, Schulen, Krankenhäuser), wobei die Mittel dafür ebenfalls aus Washington kommen. Jedoch haben sich hier Budgetkürzungen, vor allem in den letzten Jahren, überdurchschnittlich ausgewirkt und machen die Abhängigkeit der Indianer von Bundesmitteln besonders deutlich.

Eine ebenfalls desolate Situation ergibt sich für die Urbevölkerung Nordamerikas wenn man sich einmal ihre Unterkünfte ansieht: Fast alle Häuser werden vom Staat über besondere Programme gebaut. Diese Behausungen sind genormt, vorfabriziert und in der Regel aus Holz. Rücksicht auf traditionelle Wohnformen der jeweiligen Kultur der Indianer wird nicht genommen. Lediglich im Südwesten der USA konnte sich bei den Pueblo-Indianern die althergebrachte Art des Wohnens vielfach noch bis in die heutige Zeit behaupten. Bei den staatlich gebauten Häusern wird auch den unterschiedlichen klimatischen Verhältnissen keinerlei Beachtung geschenkt. Egal ob sie im Norden aufgestellt werden, wo winterliche Temperaturen von teilweise unter -30° C anzutreffen sind, oder im sommerlich heißen Südwesten, wo die Temperaturen häufig 30-40° erreichen, die Häuser sind immer im gleichen Stil erbaut. Obwohl durch den Staat errichtet, entsprechen rund zwei Drittel aller Häuser nicht den gesetzlichen Mindestanforderungen: Häufig befinden sich die Toiletten im Freien, fließend Wasser zum Trinken oder eine Waschgelegenheit gibt es im Hause nicht. So liegt zum Beispiel bei fast der Hälfte der Navajo- und Hopi-Haushalte das täglich benötigte Wasser mehr als 100 m vom Haus entfernt. Teilweise müssen die Indianer einen Weg von 30-40 km bewältigen, um an einen Wassertank der Gemeinde zu gelangen. Durch die schlichte Bauweise sind die Häuser oft schon nach wenigen Jahren reparaturbedürftig, Geld für die notwendige Instandhaltung oder -setzung fehlt den meisten Indianern Auch auf dem Gesundheitssektor sind die indigenen Völker der USA benachteiligt.

Ärzte lassen sich auf den Reservationen kaum nieder. So muß man z.B. teilweise bis zu 150 km fahren, um das nächste Krankenhaus zu erreichen. Schwierige Erkrankungen können nur in den meist sehr weit entfernten Kliniken der Großstädte behandelt werden. Da das notwendige Geld für die Anreise fehlt, bedeutet dies für den Kranken oft eine wochen- oder monatelange Trennung von seiner Familie. Durch die unzureichende medizinische Versorgung der Indianer sind auch ihre Lebenserwartungen wesentlich schlechter als die der übrigen Bürger der USA. Im Bundesstaat Washington z.B. lag 1985 die Chance für einen Indianer, älter als 65 Jahre zu werden, bei 0,5%. In den letzten Jahren sind auch die sogenanten Zivilisationskrankheiten (Herzerkrankungen, Leberzirrhose, Diabetes) rapide angestiegen. So beträgt der Anteil der Reservationsbewohner, die an Diabetes erkrankt sind, das Zehnfache des Landesdurchschnitts. Dies hängt mit der einseitigen Ernährung und der Armut auf den Reservationen zusammen. Durch die meist isolierte Lage der Gebiete wird dort kaum frisches Obst oder Gemüse angeliefert und wenn doch, ist es für die Reservationsbewohner kaum zu bezahlen. Viele von ihnen greifen daher auf billige Produkte zurück, die sehr stärke- und fetthaltig sind und kaum Nährstoffe enthalten. Dadurch sind viele Indianer auch zu dick und wirken wohlgenährt. Allerdings hat dies mit einer ausreichenden Ernährung nichts zu tun. Die offiziell festgehaltenen Statistiken ihrer Lebenserwartung, des Gesundheitszustandes, der Einkommens- und Wohnverhältnisse sowie der Arbeitslosenrate zeigen, daß die Indianer nach wie vor die am meisten benachteiligte ethnische Gruppierung in den Vereinigten Staaten sind und sich die Lage auf einer Indianerreservation eher mit der in einem „Dritte-Welt-Land“ vergleichen läßt.

 

The Origin of Strawberries

Cherokee

Native American Legend

Underline the expression, that could replace the word in front best!



When the first man was created and a mate (son/ dog/ woman) was given to him, they lived together very happily for a time, but then they began to quarrel (love/ fight/talk) , until at last the woman left her husband and started off toward the Sunland in the east.

The man followed alone and grieving (sad/ angry/ happy), but the woman kept on ahead (went forward/ stopped/ laughed at him) and never looked behind, until the Creator took pity (was sorry/funny/bored) on him and asked him if he was still angry with his wife. He said he was not, and Creator (father/ god/ man) then asked him if he would like to have her back again, to which he eagerly (slowly/ angrily/ quickly) answered yes.

So Creator caused a patch (field/ small place/ forest) of the finest ripe huckleberries to spring up along the path in front of the woman, but she passed by without looking at them. Farther on he put a clump (tree/ box/ bush) of blackberries, but these also she refused to (didn’t want/ liked/ put away) notice. Other fruits and then some trees covered with beautiful red berries, were placed beside the path to tempt (meet/ attract/ help) her, but she went on until suddenly she saw in front of her a patch of large ripe strawberries, the first ever known.

She stopped to gather (throw away/ watch/ pick) a few to eat, and as she picked them she turned her face to the west, and at once the memory of her husband came back to her and she found herself unable to go on. She sat down, but the longer she waited the stronger became her desire (hate/wish/game) for her husband, and at last she gathered a bunch of the finest berries and started back along the path to give them to him. He met her kindly and they went home together.

 

Columbus verkehrt herum

 

Diese Geschichte spiegelt ein paralleles Universum wider, in dem die Ureinwohner Amerikas Europa erobert und besiedelt haben. Entscheidend dabei ist, dass die Ureinwohner Amerikas den Europäern nicht das angetan hätten, was die Europäer tatsächlich mit ihnen getan haben. Entscheidend ist jedoch (wie Sherman Alexie sagt) die Geschichte "umzudrehen", um eine kulturelle Doppelmoral aufzuzeigen. Verschiedene Versionen dieses Stückes wurden 1992 in den "Akwesasne Notes", "News From Indian Country", "Report on the Americas" und anderen Zeitschriften veröffentlicht.

Online zu finden in "Readings on Cultural Respect" auf der "Midwest Treaty Network" Webseite. Zur freien Verfügung (mit Verweis) für Bildungszwecke zum 12. Oktober ("Columbus Day" - Feiertag in USA, Anmerkung der Übersetzerin). "Wanblee Johnson" ist eine fiktive Person, erdacht von Zoltan Grossman

 

Es ist 500 Jahre her, dass Callicoatl mit drei aztekischen Booten über den Ozean segelte und einen neuen Kontinent entdeckte, eine neue östliche Hemisphäre. Die Würdigung dieses Ereignisses wird mit großem Trubel und Feierlichkeiten begangen. Jedes Kind kennt die Geschichte: wie Callicoatl Montezuma II überzeugte, seine Reise zu unterstützen, wie die aztekischen Segler auf der Reise fast verzweifelten und wie sie eine merkwürdige weißhäutige Rasse in der "neuen Welt" "entdeckten". Aber das ist nur ein Teil der Geschichte. Wichtig ist, dass die Geschichte im 500sten Jubiläumsjahr der Reise Callicoatls richtig gestellt wird.

Denn dieser Kontinent wurde nicht von Callicoatl "entdeckt", sondern es fand eine Invasion statt. Hier lebten  bereits viele Menschen verschiedener Nationen mit eigener Kultur, eigener Religion und auf ihrem eigenen Land. In den vergangenen fünf Jahrhunderten mussten wir, die Ureinwohner Europas, zusehen, wie unsere Naturreichtümer und unsere Spiritualität gestohlen und unsere Verwandten versklavt wurden. Diese Geschichte ist wohl kaum Anlass zum Feiern.

In der Ära vor Callicoatl herrschten die Griechen, Römer, Ägypter, die Mauren und viele andere Ureinwohner der östlichen Hemisphäre über große Imperien. Tempel und Pyramiden zeugen davon, welche Reichtümer sie  der Welt hinterließen. Sie hatten detaillierte Kenntnisse über Astronomie, Recht, Landwirtschaft und Religion. Natürlich gab es auch Kriege unter diesen Völkern und Verfolgung derjenigen, die der Staatsreligion nicht

folgten. Allerdings war dies nicht grausamer als in den Imperien Montezumas II. oder des Inkas Tupac Yupanki in der "Alten Welt" vor 500 Jahren. Und wie in der westlichen lebten auch hier in der östlichen Hemisphäre viele Menschen weiterhin im Einklang mit ihrem Land.

Es gab viele andere Forschungsreisende, die bis an diese Küsten gesegelt sind, und einige behaupten sogar, sie seien vor Callicoatl dort angekommen - die Arawak, die Beothuk und die Lenni-Lenape. Doch war es die aztekische Fahne von Anauak und die Fahne der Inkas von Tawantinsuyo die zuerst in unsere Heimaterde gepflanzt wurden. Bald nachdem Callicoatl angekommen war, wurde dieses Land nach einem anderen Forscher den die Azteken unterstützten, in Omequauh umbenannt. Die Azteken und Inkas eroberten Süd- und

Zentral-Omequauh und teilten es auf - die Länder, die wir Afrika, Iberien und die Inseln des Mittelmeeres nennen. Später kämpften die Dakota und die Ojibwe um Nord-Omequauh und teilten den Kontinent auf, den wir "Europa" nennen. Dort ist meine Heimat.

Einige der großen "europäischen" Führer schlossen sich in einem Bündnis von Rittern zusammen und leisteten Widerstand gegen die Siedler. Doch nie herrschte genug Einigkeit unter unseren Freiheitskämpfern, um sich zu behaupten. Einige unserer Ureinwohner wurden einfach ausgelöscht - unter ihnen die Iren, Korsen und Sarden, deren Kulturen für immer verloren sind.

Sie kennen uns vielleicht als "Ureinwohner Omequauhs", wir aber bevorzugen den Namen "Ur-Europäer" oder "Erste Nationen". Wir sind nicht ein Volk, sondern viele Völker mit unterschiedlichen Sitten. Wir sprechen viele Sprachen, welche zwar oft als "Dialekte" bezeichnet werden - wir ziehen allerdings den Vergleich mit Ihren Sprachen vor. Wir besitzen verschiedene Religionen, die bis vor kurzem noch verboten waren und bis zum heutigen Tag als purer Aberglaube verspottet werden. Die Religion meiner Vorfahren war als "Christentum" bekannt und es gibt immer noch einige von uns, die selbst heute noch zu einem einzigen Gott und seinem Sohn beten.

Obwohl wir für gewöhnlich als "Stämme" bezeichnet werden, sind wir historisch gesehen doch Nationen, mit eigenen Grenzen, Provinzen und Hauptstädten. London, die Hauptstadt meiner Vorfahren, war einst genauso groß wie Cuzco oder Tenochtitlan, bis es von den Invasoren geplündert wurde. Menschen meines Volkes, der York-Gruppe des Englischen Stammes, waren einst Bürger der Grafschaft (oder Provinz) Yorkshire innerhalb der Englischen Nation (oder "England"). Viele unserer Völker werden noch nicht einmal mit ihren eigentlichen Namen genannt, sondern nur mit abfälligen Namen, die andere ihnen gaben. Die Krauts zum Beispiel heißen eigentlich "Deutsche", ähnlich wie die Frogs in ihrer eigenen Sprache eigentlich "Franzosen" oder "Francais" heißen.

Wenn wir unsere Souveränität wiedererlangen wollen, sind diese Begriffe wichtig. Noch wichtiger ist allerdings, dass wir die seit 500 Jahren ständig beschnittenen Landrechte unserer Ahnen zurückfordern. Die Engländer, zu denen auch ich gehöre, sind beispielsweise in über 50 kleinen Reservationen über die gesamte Insel Neufundlands (welche wir immer "Britannien" nannten) verteilt. Vor einem Jahrhundert wurden ein Drittel von uns gewaltsam auf das Festland des Kontinents umgesiedelt. Trotz Krankheiten, Umsiedlung und dem Verlust des Landes, auf dem wir einst jagten und Anbau betrieben, ist unsere traditionelle Form der Kommunalverwaltung bis heute erhalten geblieben.

Wir unterzeichneten Abkommen mit den Siedlern, die uns den weiteren Zugriff auf die Ressourcen unseres einstigen Landes garantieren sollten. Die meisten dieser Verträge wurden gebrochen und große Teile des Landes wurden einfach ohne irgendwelche Verträge gestohlen. Heute verstehen einige von den Nachkommen der Siedler nicht, warum wir diese Rechte weiterhin ausüben. Einige sagen uns sogar, wir sollen doch wieder dahin verschwinden, woher wir gekommen sind!

Nachdem die Krieger (welche wir "Lang-Pfeile" nannten) unsere Hauptnahrungsquelle, die Schafe, abgeschlachtet hatten, wurden meine Leute in die Abhängigkeit getrieben. Man begann, die Kinder in Schulen zu schicken, in denen sie gezwungen wurden, ihre englischen Namen gegen Dakota-Namen auszutauschen. Sprachen sie Englisch, so wurden sie geschlagen. Im Laufe der Generationen assimilierten sich viele so sehr, dass sie anfingen so auszusehen, sich so zu kleiden, so zu gehen und so zu reden wie die Siedler. Aber sie

behielten immer noch ihre Identität, wenn auch versteckt vor den Blicken anderer.

Es ist nur ca. 25 Jahre her, dass mein Volk begann, sein europäisches Erbe zurück zu gewinnen. Auf meiner Reservation bedeutete das für die jungen Leute, die englische Sprache wieder zu erlernen. Wir nahmen mit den Ureinwohnern in Süd- und Zentral-Omequauh, von denen einige eine Mehrheit in ihrem Land bilden, Kontakt auf. Obwohl sie unterschiedliche Sprachen (Nahuatl und Quechua) der Kolonialherren sprechen, sind unsere Anliegen doch vergleichbar.

Unsere Kultur wiedergewinnen bedeutet, dass wir von den Alten lernen und die Werke von Chaucer und anderen Propheten aus vergangenen Zeiten lesen. Es bedeutet, sich mit vorhandenen Stereotypen auseinander zu setzen, wie beispielsweise der Vorstellung, dass wir alle Rüstungen tragen, oder in reetgedeckten Häusern wohnen. Vor allem aber bedeutet es, der Verzweiflung, die in vielen unserer Reservationen herrscht, der Armut, dem übermäßigen Genuss von Bier und Chicha (Maisbier, Anmerk. d. Übersetzerin), sowie dem niedrigen Selbstvertrauen unter unseren Jugendlichen entgegenzutreten.

Dieser neue Stolz führte zu Konflikten mit der Regierung, die unser Land besetzt hält. Wir mussten uns gegen das Büro für kaukasische Angelegenheiten (BKA) zur Wehr setzen, welches unsere Wirtschaft kontrolliert und jegliche unabhängige Meinung unterdrückt. Wir werden attackiert, weil wir arm sind und dann kritisiert, wenn wir nach Wegen suchen, der Armut zu entkommen. Außerdem mussten wir uns in einigen unserer Räte, die das BKA vor Jahren einrichtete, um unsere traditionelle Verwaltung zu ersetzen, mit Kollaborateuren in unseren eigenen Reihen auseinandersetzen, die das, was von unserem Land übrig geblieben ist, verkaufen wollten.

Die Wiedergeburt unser europäischen Kulturen erregte auch das Interesse einiger aus den

Mainstream-Kreisen der nichteuropäischen Gesellschaft. Heutzutage spielen einige Kinder "Krieger und Ritter" und wollen sogar die "Ritter' sein. Während wir diesen Trend begrüßen, müssen wir leider feststellen, dass es auch Nichteuropäer gibt, die unsere Kulturen romantisch verklären und versuchen, sich ihrer in gleicher Weise zu bemächtigen wie sie es mit unserem Land taten. Wir können es nicht mit ansehen, dass Nichteuropäer sich wie unsere Priester kleiden und unsere heiligen katechistischen Zeremonien durchführen, um ihre eigene

Neugier zu stillen. Wir mögen es nicht, wenn Dakotas gepuderte Perücken oder Tanzbälle veranstalten. Und wir können es wirklich nicht mehr hören, wenn uns wieder jemand von diesen "Möchtegernen" erzählt, seine Urgroßmutter sei eine schwedische Prinzessin gewesen.

Es gab eine Zeit, da haben wir passiv zugesehen, wie unser Land gestohlen wurde und Menschen voneinander getrennt und umgesiedelt wurden. Aber diese Zeiten sind vorbei. Die europäischen Kriege entflammen wieder, da immer mehr Nationen ihr Land, auf dem unsere Ahnen begraben liegen, verteidigen. Viele erinnern sich noch an die bewaffneten Konfrontationen auf der norwegischen "Long-Fjord' Reservation vor ungefähr 20

Jahren und auf der ungarischen "Balaton-See' Reservation vor 2 Jahren. Wird unsere Souveränität nicht anerkannt, so wird es auch weiterhin zu solchen Unruhen kommen.

Es sollte Ihnen, der nichteuropäischen Öffentlichkeit, klar sein, dass wir, trotz 500 Jahren Kolonisation, als Völker und Nationen immer noch bestehen. Denn trotz unglaublicher Tatsachen - der fast völligen Ausrottung unserer Bevölkerung, des Diebstahls unserer Religion und unseres Landes - haben wir überlebt. Das Blut gefriert uns in den Adern, wenn Sie über den "Feiertag" der Ankunft Callicoatls sprechen. Selbst Callicoatls Name bedeutet in der Sprache der Nahuatl "Giftschlange des Westens". Wenn Sie nicht akzeptieren, dass

unsere Völker schon vor seiner Ankunft hier waren, werden Sie niemals verstehen, dass wir hier, heute, vor Ihnen stehen.

 

Wanblee Johnson